Vereinsgeschichte

Seit 1995 - Ein Überblick über die Vereinsgeschichte

Gründungsphoto Vom Gründungstag am 25.01.1995 im Clubhaus des Fußballvereins
v.li.: Bgm G. Reffert, H. Strauch, Rektor W. Schreck, G. Bassauer

Am 25. Januar trafen sich damals in der „Ratsstube" 54 Bürgerinnen und Bürger aus Brühl und Rohrhof mit der Idee, Heimat und Brauchtum in der Gemeinde zu pflegen. Der damalige Bürgermeister Günther Reffert und das heutige Gemeindeoberhaupt Dr. Ralf Göck waren unter ihnen. Aus den Reihen der Kommunalpolitik unterstützten die Gemeinderäte Helmut Mehrer, Irene Dewitz, Wolfram Gothe, Karl A. Maurer, Winfried Geier, Werner Fuchs, Albert Gredel und Herbert Semsch die Pläne. Der heutige Kulturamtsleiter Lothar Ertl soll bei der Aufzählung nicht vergessen werden. Paul Wüst war einer der großen Förderer der Idee und sollte es lange Jahre bleiben. Aus dem Bereich der Schulen zählten Günter Wörz, Dr. Adalbert Nessel, Willibald Schreck, Dr. Volker Kronemayer, Hans-Peter Jester und Walter Schleich mit dazu. Daneben Dr. Volker Kronemayer bot die Unterstützung seitens des Landesvereins Badische Heimat an.

Zahlreiche örtliche Vereine waren von Beginn an mit dabei. Heinrich Schwab von den „Kollerkrotten", Gerhard Luksch von den „Rohrhöfer Göggeln", Albert und Ruth Gredel, seit Jahren mit Gesang und Kultur der Gemeinde eng verbunden, und Gerlinde Geschwill-Epp vom örtlichen Roten Kreuz findet man in der Liste der Gründungsmitglieder.

Bei der Gründungsversammlung wählten die Mitglieder Willibald Schreck, als Schulleiter, Organist und Chorleiter gut bekannt, zum 1. Vorsitzenden. Ihm zur Seite leisteten in der Folge Paul Wüst, Günter Bassauer, Günter Staudt und Horst Füglein wertvolle Arbeit. Große Freude löste der Beitritt des damaligen Finanzministers und Brühler Ehrenbürgers Gerhard Stratthaus im Verein aus.

Unter der Leitung von unter Bassauer gelang es, zahlreiche öffentliche Veranstaltung wie die Kirchweih in Brühl oder das Sommerfest in Rohrhof zu organisieren, die Zelte dafür aufzubauen, Stromkabel und Beleuchtung zu legen und Vieles mehr. Die Mitgliederstruktur brachte es – vornehmlich auf Grund des steigenden Durchschnittsalters – mit sich, dass diese Aktivitäten im Laufe der Zeit zurückgefahren und schließlich ganz eingestellt wurden.

Konzentration auf Öffentlichkeitsarbeit

Die zweite Periode des Vereins war von Dr. Ludwig Friedrich bestimmt. Gemeinsam mit Paul Wüst entwickelte er sich zum Experten des Brühler Gemeindearchivs.

So wurde zur Erinnerung an das Kriegsende vor 50 Jahren wurde 2005 in der Villa Meixner eine Ausstellung über die Jahre der Besatzungszeit zusammengestellt. Eine besondere Herausforderung stellte das 850-jährige Jubiläum der Gemeinde im Jahr 2007. In akribischer Kleinarbeit schuf man die Voraussetzungen für das Heimatbuch „850 Jahre Brühl-Rohrhof", das 2007 in einer Auflage von 2.000 Exemplaren auf den Markt kam. Nach dem überraschenden Tod von Dr. Friedrich war es vor allem Ralf Strauch zu verdanken, dass das Werk rechtzeitig und in bester Qualität fertig gestellt werden konnte.

Nach dem Tod von Dr. Friedrich übernahm Hans Weihe zunächst kommissarisch das Amt des 1. Vorsitzenden, ehe er 2007 von der Jahreshauptversammlung einstimmig das Vertrauen erhielt. Ihm war es vor allem zu verdanken, dass sich der Verein während der Veranstaltungen zur 850-Jahrfeier von seiner besten Seite zeigte. Viele Initiativen gingen von ihm aus. Eine schwere Krankheit zwang Hans Weihe zur Aufgabe des von ihm sehr gut verwalteten Amtes.

„Heimatstuben" und mehr

Nach seinem Tod übernahm Peter Dewitz im Mai 2009 die Nachfolge. Eine deutlich verjüngte Vorstandschaft versuchte neue Wege zu finden und sie zu entwickeln. Neben dem 1. Vorsitzenden arbeiten Dr. Volker Kronemayer als Schriftführer, Klaus Bess als Schatzmeister sowie die Beisitzer Eva Gredel und Klaus Triebskorn tatkräftig mit. Winfried Höhn widmete sich Detailaufgaben.

2.2.4 HEIMATSTUBEN webEin großer Schritt zur Ausweitung der bisherigen Vereinsaktivitäten wurde im September 2010 mit der feierlichen Einweihung der „Heimatstuben" in der Neugasse 44 unternommen. Acht Räume wurden unter verschiedenen themenbezogenen Gesichtspunkten eingerichtet. Die Räume „Schütte-Lanz-Luftschiffbau" sowie die „Schusterstube" werden nur davon ausgefüllt, während die übrigen sechs sich den Platz mit mehreren Themen teilen müssen. Es herrscht eine gedrängte Fülle. Das Angebot der „Heimatstuben" wird von der Öffentlichkeit sehr gut angenommen. Ständig kommen neue Exponate aus dem Besitz der Bürger hinzu.

 

Der Luftschiffbau in Brühl:
Ein bundesweites Alleinstellungsmerkmal

2.2.5 PLAKAT ZUR JUB-FEIERNach der Erkrankung von Peter Dewitz übernahm Winfried Höhn die Leitung. Die bisherigen Mitglieder des Vorstandes und Beirats führten ihre Tätigkeit fort, neu wurden für die Mitarbeit gewonnen. Es ist das besondere Verdienst von Winfried Höhn, dass er im Frühjahr 2011 auf die Jungfernfahrt des Schütte-Lanz-Luftschiffs SL1 aufmerksam machte. Nach umfangreichen und intensiven Vorbereitungen war es möglich, am 16. Oktober, ein Tag vor dem 100-jährigen Jubiläum, eine große Veranstaltung mit weit über hundert Gästen durchzuführen. Und kein Ort in Brühl wäre geeigneter gewesen, als die denkmalsgeschützten Werkshallen aus der Zeit des Schütte-Lanz Luftschiffbaus. Die Resonanz in der Presse wie aus dem Kreis der Einwohner war überwältigend.

Im Januar 2012 folgte die Eröffnung der Ausstellung „Schütte-Lanz Luftschiffbau entwickelt ‚Standardluftschiff' in Brühl". Auf Grund des starken Besucherinteresses wurde diese über den vorgesehen Termin am 16. März verlängert. Der in der Ausstellung vorherrschende Aspekt der technischen Entwicklung im Luftschiffbau ergänzte eine frühere Veranstaltung. Damals hatten Hans Weihe und Ludwig Friedrich am gleichen Ort eine Ausstellung über die Schütte-Lanz-Werke von 1909 bis 1999 zusammengetragen.

SL2 über dem Fluggelände in Brühl

Für die Gemeinde Brühl kommt mit dem Schütte-Lanz-Luftschiffbau das sehr begehrte bundesweite Alleinstellungsmerkmal zu: Hier wurde das von seinem Konstrukteur so bezeichnete „Standardluftschiff SL2" konstruiert und gebaut. Maßgebliche Konstruktionsmerkmale für den Luftschiffbau bis zu dessen Ende 1937 wurden hier gesetzt. Sie wurden weltweit übernommen. Für die Gemeinde Brühl und den Verein zugleich eine besondere Verpflichtung, die Erinnerung daran zu bewahren. Die Erhaltung der bereits erwähnten denkmalgeschützten Werkshallen und des Kamins auf dem ehemaligen Werftgelände wären ein weiterer notwendiger Schritt.

Pflege einer „Erinnerungskultur"

Mittlerweile hatte im September 2011 Dr. Volker Kronemayer das Amt als Erster Vorsitzender des Vereins angetreten. Seitdem entsteht ein umfangreiches digitales Archiv von Darstellungen, Textquellen und Bildern, die auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Leider musste der Heimatverein im Februar 2012 sein Büro in der Hauptstraße aufgeben; das Gebäude wurde wegen der Sanierung des Areals abgerissen. Die meisten Unterlagen sind derzeit verpackt und unzugänglich.

2.2.6 ZIEGELEI MERKEL 2012Ein besonderes Anliegen des Vereins war der Erhalt des letzten noch vorhandenen Gebäudes der zahlreichen Brühler Ziegeleien. Das Gebäude im Merkelgrund besaß noch eine der wenigen in der Bundesrepublik erhaltenen Zickzacköfen. Und es war die letzte Erinnerung an eine Zeit, da Brühl die größte Ziegelproduktion im Großherzogtum Baden aufwies. Alle Bemühungen waren leider vergeblich. Seit September 2012 wird das Gebäude abgebrochen. Einer Wohnbebauung wird Platz gemacht.

Der Vorstand und Beirat des Vereins versucht weiterhin, die Erinnerungskultur in Brühl mit Vorträgen, Ausstellungen und Publikationen wach zu halten. Im Kreis der älteren Mitbürger hat dieses Bemühen bereits Anerkennung gefunden. Viele aus dem Kreis der jüngeren Einwohnerschaft und Neubürger haben auf diesem Weg einen Zugang zu Brühl als Wohnort mit einer eindrucksvollen Vergangenheit gefunden.

Brühl, 1. Oktober 2012