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Rheinauer-Str f.BR

Rheinauer Str. 2 - 6 / Meßplatz / Horst-Wessel-Platz / Rheinauer Platz

Im Dezember 2017 erreichte den Heimatverein eine Anfrage im Rahmen der Familienforschung: Gesucht wurde die heutige Wohnanschrift des Arbeiters Franz Weber, der 1934 laut dem Brühler Adressbuch aus diesem Jahr am Horst-Wessel-Platz 1 in Rohrhof lebte.

Der erste Schritt führte zum Buch von Heinz Kohl über die Namen der Brühler Straßen und Plätze. Dieser hatte in seinen Nachforschungen festgestellt, dass am 1. Juli 1914 der Rheinauer Platz seinen Namen erhielt, der am 1. Juni 1933 in Horst-Wessel-Platz umbenannt wurde. Bereits am 23. April 1945 wurde dieser Platz zum Meßplatz. Am 13 Dezember 1954 ging er in der heutigen Rheinauer Straße auf.

Von Karl Fichtner in Schwetzingen erhielt der Verein detaillierte Informationen und ein Foto des Platzes. Demnach wurde das abgebildete Gebäude um 1925 vom Unternehmer Schuhmann erstellt, der damit preisgünstigen Wohnraum für die Arbeiterschaft schaffen wollte. Ein Anliegen der damaligen Kommunistischen Partei. [Dem Vernehmen nach traf dies auch auf die Wohnungen in der heutigen Hildastsr. 27 zu.]

Das Wohnhaus mit den beiden Ladenlokalen im Erdgeschoß entwickelte sich zu einem Zentrum der Kommunistischen Partei im Ort und der Region. Nicht zuletzt auf Grund der exponierten und weithin sichtbaren Lage. Im Zuge der Weltwirtschaftskrise 1929 ging der Erbauer allerdings in Konkurs und das Haus stand zur Versteigerung.

Karl Fichtner (1879 – 1964), Besitzer einer Kalkbrennerei in Schwetzingen, erfuhr von der Versteigerung. Das Gebäude war für 10.000 Mark ausgelobt, eine Summe, die in der Zeit der Weltwirtschaftskrise nicht einmal die Banken in der Region aufbringen konnten. Der Unternehmer, durch die Erfahrung der Hyperinflation von 1923 geprägt, hatte für schlechte Zeiten vorgesorgt. Im Keller seines Hauses bewahrte er in einem sicheren Versteck ein Fässchen auf, in dem er 10.000 Goldmark angesammelt hatte. Die legte der Bank auf den Tisch und erwarb das Haus am Rheinauer Platz. Damals stand es noch recht alleine da, wie man auf dem Foto sehen kann.

Irgendwann im Jahr 1931 oder 1932 war Karl Fichtner mit seinem Fuhrwerk auf der Mannheimer Landstraße unterwegs nach Rheinau, um Düngemittel zu holen. Auf der Höhe des Landhauses Münkel leuchtete ihm das große rote Banner der KPD entgegen – vom Dach seines neu erworbenen Hauses. In dem Gebäude, das auf dem höchsten Punkt in der Landschaft lag und damals weithin deutlich sichtbar war, befand die regionale Parteizentrale der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD). Unverzüglich begab sich Karl Fichtner dorthin, stieg auf das Dach des Hauses, riss ein Loch in die Ziegel und holte das Banner ein. Da das Dach danach nicht mehr dicht war, schickte er eines Tages seinen damals 13jährigen Sohn, ebenfalls Karl mit Vornamen, hinauf, der dort in luftiger Höhe und ungesichert die Ziegel neu einspeiste. Dieser erinnert sich noch heute an dieses abenteuerliche und riskante Unternehmen.

In den 1950er Jahren beeindruckte Karin Seßler, geb. Weber, der Meßplatz in Rohrhof durch die hohen Kastanienbäume, unter denen die Kinder der Anwohner spielten. In den beiden Ladengeschäften im Erdgeschoß zogen immer wieder neue Mieter ein. Am längsten blieb wohl die Drogerie Sieberling bestehen, an die sich viele Rohrhöfer erinnern werden. Heute befindet sich dort ein Blumengeschäft.

Wir danken Karl Fichtner für seine lebendigen Erinnerungen.

Und der Verein sucht das Adressbuch des Jahres 1934 - es ist in den Beständen des Gemeindearchivs nicht vorhanden.

Kro