Welt en miniature

Heimatverein: Kommende Ausstellung soll Puppenhäusern und -stuben vorbehalten sein

Eine heile Welt en miniature

Von unserem Redaktionsmitglied Ralf Strauch

BRÜHL. „Wir wollen uns in der ersten Hälfte unserer Ausstellungssaison Puppenstuben und -häusern wid- men“, verrät Winfried Höhn vom Verein für Heimat- und Brauch- tumspflege, während er in den ers- ten Stock des Vereinsdomizils in der Neugasse führt. Drei großräumige Exponate haben die ortsgeschichtli- chen Sammler bereits zusammen- getragen. „Das ist zweifellos das größte und schwerste Stück unserer Samm- lung“, sagt Höhn und weist auf das dreistöckige Puppenhaus des frühe- ren Generalmusikdirektors Hell- muth Krauß. Vom Keller mit seinen eindrucksvollen Miniatur-Weinfässern über die Küche, Wohn- und Schlafräume (sogar der Nachttopf ist gefüllt) bis hin zum unübersichtlich gefüllten Speicher erlebt man beim visuellen Spaziergang durch dieses Schmuckstück ein Wohnhaus des frühen 20. Jahrhunderts. Krauß hat dieses Stück heile Welt allerdings eher für sich, als für spie- lende Kinder eingerichtet. Aus je- dem Urlaub in Bayern brachte er Mobiliar oder Accessoires mit nach Brühl. So entstand ein attraktiver Blickfang, der ganz genau ins Sche- ma des Heimatvereins passt. „Wir wollen Puppenstuben mit hand- werklich gefertigten Einrichtungen zeigen“, so Höhn. Verschiedene Wohnepochen Und genau in diese Kategorie fällt auch die Puppenstube, die Günther Wörz dem Heimatverein zur Verfü- gung gestellt hat. Seine Miniaturwelt stellt eine Wohnung aus den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts dar, wie schnell ein Blick auf die Einrich- tungsgegenstände zeigt. Mit viel Lie- be zum Detail hat Wörz die für die Trends jener Tage typischen Möbel selbst hergestellt. Die dritte Puppenstube entführt in die Zeit von Tütenlampen und biederer Gemütlichkeit. Die Pup- penstube  von  Jutta  Appel  spiegelt den Geschmack der 50er und 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts wider. Auch die Einrichtung ihrer Wohnung, die sogar über eine Terrasse verfügt, wurde von Familienmitgliedern in Eigenarbeit angefertigt. Appel hat sie selber als Spielzeug genutzt – es ist also kein rein museales Exponat, sondern ein  lebendiges Stück Familiengeschichte, bei dem der üppige Blumenschmuck auf der Fensterbank vielleicht schon ein Hinweis auf die heutige Funktion der Eigentümerin beim Obst- und Gartenbauverein sein könnte. „Es ist unheimlich spannend, mit welcher Liebe die Häuser und Wohnungen eingerichtet wurden“, schwärmt Höhn und holt beispielsweise die Musikinstrumente aus Krauß’ Haus. Aber noch werden weitere Exponate als Leihgabe für die Ausstellung in den Heimatstuben gesucht. Derjenige, der noch Ausstellungsstücke zur Präsentation bei- steuern möchte, kann sich an den Vorsitzenden des Heimatvereins, Dr. Volker Kronemayer, Telefon 06202/7 37 34, oder dessen Stellvertreter Winfried Höhn.

Impressionen von den bisherigen Exponaten der Ausstellung über Puppenhäuser und -stuben im Heimatmuseum finden Sie auch auf unserer Internetseite www.schwetzinger-zeitung.de @ Schwetzinger Zeitung 2014-02-21 Seite 015

Besuch Weixdorf

Eine ‚Stipvisite‘ aus Weixdorf

Im Rahmen des Besuches, den Mitglieder des Fotoklubs „Reflex“ Weixdorf der Gemeinde Brühl am 3. Oktober des Jahres abstatteten, ergab sich spontan der der Besuch der „Heimatstuben“ in der Neugasse 44.

Der Fotoklub richtet derzeit in der Rathausgalerie eine Ausstellung über die nunmehr seit zwanzig Jahren bestehende partnerschaftliche Verbindung zwischen Brühl und Weixdorf aus. Am Rande der Ausstellung kamen die beiden Vorsitzenden des Vereins für Heimat- und Brauchtumspflege, Winfried Höhn und Dr. Volker Kronemayer, mit dem Leiter der Delegation, Ortsvorsteher Gottfried Ecke, ins Gespräch. Kern des Informationsaustausches war die Überlegung, die Ausstellung „Schütte-Lanz Luftschiffbau entwickelt „Standardluftschiff“ in Brühl“, welche von Januar bis Mai 2012 in der Rathausgalerie gezeigt wurde, auch in Weixdorf zu der Öffentlichkeit vorzustellen.

 

Um sich ein Bild von der Bedeutung des Luftschiffbaus in Brühl und der Entwicklung der nachfolgenden Schütte-Lanz-Holzwerke machen zu können, lud man spontan die Gäste zu einem kurzen Besuch in den „Heimatstuben“ ein. In der Kürze der zur Verfügung stehenden Zeit gewannen die Gäste einen Eindruck nicht nur vom Luftschiffbau Schütte-Lanz, sondern auch von der vielfältigen Geschichte der Gemeinde Brühl-Rohrhof. Und sie waren beeindruckt von dem Engagement, mit dem Brühler Bürger die Ausstellung durch (Dauer-)Leihgaben unterstützen.

 

Die Gedenkveranstaltung zum „Tag der Deutschen Einheit“ drängte. So ging man mit der beiderseitig wohlmeinenden Überlegung auseinander, die Möglichkeiten für eine Ausstellung in Weixdorf im Jahr 2014 zu prüfen.

 

Kronemayer, 3. Oktober 2013

 

 

Ausflug 2013

Heimatverein auf den Spuren von Ziegelhütten und Störchen

Ausflug 2013b

Weder der steife Wind noch der lästige Nieselregen trübten die Stimmung der Mitglieder und Freunde des Heimat -und Brauchtumsvereins Brühl/Rohrhof am vergangenen Samstag beim Start zum Nachmittagsausflug in die südliche Vorderpfalz. Ziel war das Ziegeleimuseum in Sondernheim, einem Vorort von Germersheim.

Das Ziegeleiareal liegt in den Rheinauen, unmittelbar neben dem Rhein. Es ist als Industriedenkmal anerkannt und wird von vielen interessierten Gruppen besucht. Das gerade mit jungen Störchen besetzte Nest auf dem Schornstein mit den fleißigen Storcheneltern war die Empfangsattraktion.

Die Vorsitzende des Fördervereins Frau Cornelia Haag führte die erwartungsfrohe Reisegesellschaft in die Geschichte der Ziegelei ein. 1834 wurde sie gegründet, im Jahr 1976 wurde die Fertigung eingestellt. Zunächst wurden die Ziegel in Feldbrandöfen gebrannt, im 20. Jahrhundert erfolgte die Umstellung auf Brand im Ringbrandofen. Die Ziegelei war Hauptlieferant bei der Errichtung der Germersheimer Festungsbauten, die speziellen gelben Königssteine sind legendär. Cornelia Haag und ihr Mann Joannes erwarben die Ziegelhütte im Jahr 2000, sozusagen als Sanierungsobjekt.

Mit Herzblut und mit Sachverstand und viel Sinn für die Historie renovierten sie die Anlage und bauten Trockenhütten dazu, ergänzten das Verwaltungsgebäude und bauten die attraktive Feldbahn zu einem Besucherrenner aus. 

Die Führung vollzog das Entstehen eines Backsteines nach, von der Lettenanlieferung über die Strangpresse, bis zur Steinformung, den Transportwegen zur Trocknung und zum fast vollständig erhaltenen Ringbrandofen. Eine aussagefähige Foto –und Bilderwand unterstützte die Ausführungen mit vielen neuen Informationen über das „Ziegler“-Handwerk.

Die Besucher aus Brühl waren fasziniert, teilweise wurde eigenes Wissen aus der Brühler Ziegel-Historie ins Gespräch gebracht und immer wieder mit großem Respekt von den Arbeitsleistungen der damaligen Arbeiter gesprochen.

Danach ging es auf die Feldbahn; jeder hatte mehrmals die Gelegenheit dieses große Areal zu umrunden, die Museumseigner sind engagierte Sammler von Feldbahnlokomotiven, die Kinder und technisch interessierte Besucher kamen deshalb voll auf ihre Kosten.

In das Museum integriert ist eine Naturkunde-Dauerausstellung. Hier werden Fauna und Flora aus den Rheinauen gezeigt und vorgeführt. Auf Knopfdruck ertönen einzelne Vogelstimmen, Schaukästen zeigen die dort vorkommenden Schmetterlinge und Käferarten. Der bekannte pfälzische Naturforscher Erich Bettag hatte diesen interessanten Bereich entworfen und mit gestaltet.

Zum Abschluss reichten die Gastgeber den ersehnten heißen Kaffee und sonstige „Aufwärmer“, dabei wurde immer wieder an die Brühler Ziegeleien gedacht und der Abriss der letzten Brühler Ziegelei bedauert.

Das pfälzische Nachtessen fand im Pfälzer Hof in Römerberg-Mechtersheim statt, hier bedankte sich der Reisebegleiter Winfried Höhn ausdrücklich bei Marco Böhme für die erfolgreiche Vorbereitung und Organisation. Der Bürgermeister der Gemeinde Römerberg, Manfred Scharfenberger, der vom Besuch des Brühler Heimatvereins gehört hatte, kam eigens zu einem Grußwort vorbei und wies auf die Tradition auch seiner Gemeinde im Ziegeleiwesen hin. whö

 Ausflug 2013 a

Firma Görler Aufruf

Julius Karl Görler  -  ein Stück Brühler Industriegeschichte 

Heimat-und Brauchtumsverein zeigt in einer Sonderausstellung die Geschichte der Firma

2. Februar 1960. Die Schütte-Lanz Holzwerke AG, vertreten durch Direktor Dr. Josef Helffrich, Brühl, sowie Direktor Albrecht Fichte, Mannheim, und die Transformatorenfabrik  Julius Karl Görler KG, Berlin Charlottenburg, vertreten durch Frau Regina Mangold, geborene Görler, alleinvertretende Gesellschafterin,  unterzeichnen  den Kaufvertrag über  4ha 71qm  Ackerland.

Das war der Beginn und Entstehung einer damals sehr modernen Fertigung von Radio-Komponenten und kompletten HiFi-Anlagen. Tuner-Bausteine, UKW-Mischteile, Stereo-Decoder als Baugruppen, Küchenradios, HiFi-Tuner, Steuergeräte sowie das Quasi-Quadrophonie-Gerät Görler Studio 2004  führten die Produktpalette an. Für viele namhafte deutsche Rundfunk-Gerätehersteller fertigte die Brühler Firma Görler diese  Baugruppen.

Vorstandsmitglied  Klaus Triebskorn erarbeitete über die Zeitdauer von einigen Monaten die Zusammenhänge der für die Brühler Industriegeschichte bedeutenden Fertigungsstätte, die bis zur Betriebsschließung im Dezember 1975 noch 236 Mitarbeiter führte. Sie war damit in den 60er Jahren nach den Schütte-Lanz-Werken der größte Arbeitgeber am Ort. Hohe Qualität, solide Konstruktion und damit zu hohe Produktionskosten führten zum Ende des Werkes. Aber auch die Konkurrenz aus Japan, der fehlende eigene Vertrieb und damit die Abhängigkeit von den Körting – Radio-Werken bzw. Neckermann beschleunigten die Aufgabe des Standortes.   Voller Stolz ist Triebskorn  über den Fundus an einigen Baugruppen und Geräten aus der Fertigung der Brühler Firma sowie an Unterlagen, Schaltplänen und Übersichten zum Fertigungsprogramm.  „Dazu erhielten wir vom Leiter des Brühler Ordnungsamtes nicht wenige Fotos aus den Jahren 1960 bis 1974, darunter von der Entstehung des Fabrikgebäudes, der Einweihungsfeier, Bilder aus der laufenden Fertigung und Ansichten zum Fabrikgelände. Jetzt galt es, für viele Personen auf den Bildern die Namen heraus zu finden“, berichtet Triebskorn, „viele Gespräche mit ehemaligen Beschäftigten sowie Recherchen im Rathaus führten zu einem umfassenden Bild über die Firmengeschichte.“

Gezeigt werden neben Produkten aus dem Brühler Werk auch Produkte von Julius Karl Görler vor der Brühler Fertigung, aus Berlin-Charlottenburg und Meuselwitz (Thüringen).  Schon vor dem 2. Weltkrieg war Görler wohl der größte  deutsche Hersteller von Spulen für die Radioindustrie.

Die Sonderausstellung findet statt am 6. April 2013, 14.00 – 16.00 Uhr in den Heimatstuben Brühl, Neugasse 44, und ist danach bis Juli an jedem 1. Samstag des Monats zu sehen. Der Verein rechnet mit dem Besuch einiger ehemaliger Mitarbeiter der Firma Görler. Neu für die Besucher werden auch einige Objekte zum Thema Schütte-Lanz und zu den Brühler Ziegeleien sein , u.a. das mit originalen Teilen wieder aufgebaute Vordach aus der Ziegelei Merkel sowie während des Abrisses der Ziegelei aufgefundenen und mittlerweile restaurierten Kassenbuchs mit handschriftlichen Eintragungen ab 1921.

Winterpause der Heimatstuben

Vom 7. Oktober 2012 bis 6. April 2013 sind in den Heimatstuben keine allgemeinen Öffnungszeiten. Die Heizkosten wären zu hoch. Sollten Sie dennoch einen besonderen Wunsch haben oder aus besonderem Anlass um eine Führung für eine Gruppe bitten, so nutzen Sie doch bitte unser Kontaktformuluar (<- klick mich).

Die Öffnungszeiten für 2013 entnehmen Sie bitte Ende März 2013 der lokalen Presse.